Blog Sportfotografie

Ein Gespür für Eis?

Sellrain. Ein Tal, das ich vor ein paar Wochen noch nicht mal vom Namen her kannte. Und nun habe ich hier zum zweiten Mal einen der besten Tage dieses Winters verbracht.

Nach der Mixed-Route „Rumpelstilzchen“ Anfang Januar ging es gestern zum Eisklettern. Also zum erstem Mal für mich nur Eis. Kein Fels. „Willst du am Sonntag mit in den Mixed Garten?“ so die Frage. Natürlich will ich. Wer jemand sucht der für spontane Draußen-Aktionen immer motiviert ist – der ist bei mir an der richtigen Adresse. 

Aus dem Mixed Gartl (Mixed-Routen bei Ochsengarten im Kühtai) wurde dann der Bafflfall, weil früh am Morgen die Straße mit dem Neuschnee so glatt war, dass wir ohne Schneeketten mit der Straße zum Kühtai ein kleines Problem hatten… und wir so lieber umdrehten und in Gries am Sellrain blieben. Unser Plan B: Bafflfall. 3 Seillängen bis WI3- und daneben noch zwei kurze Routen laut Topo WI4- und WI5-.

Wir steigen nach Absprache mit dem sympathischen Bergführer, der mit einem Eiskletterkurs schon vor Ort ist, rechts neben diesen in die erste Seillänge des Eisfalls ein. Eike steigt vor, Dschen und ich nach. Nach der sehr kurzen Eisbegegnung in „Rumpelstilzchen“ ist dies meine erste richtige Eiskletterei. Läuft doch ganz gut. Okay, das Gefühl beim Auftauen der eiskalten Finger (Sichern sollte man NICHT in den dünnen Handschuhen….) ist etwas – naja – gewöhnungsbedürftig. Aber – um es mit Eikes Worten zu sagen – „einfach weniger jammern“. Dafür sind danach meine Finger und Füße danach für den Rest des Tages warm. 

Nach den drei Seillängen gehen wir noch die beiden kurzen Routen so lange bis uns die Arme müde sind. Besonders mein linker Arm…. WI4-, die andere WI5 laut Topo aber aktuell wohl leichter, denn ich schaffe sie auf Anhieb ganz gut. Im Nachstieg natürlich. Fürs erste Mal Eis bleib ich lieber beim Nachsteigen. Drytoolen am Fels ist doch anders. Die Route, in der schon gute Hooks sind, die man gleich nutzen kann, fühlt sich wie drytoolen an. Das kenn ich – da fühl ich mich ganz zu Hause. Entsprechend erstaunt eine der Kursteilnehmerinnen, als Eike ihr antwortet: „…ja, sie macht das auch zum ersten Mal…“ – als ich die WI4-Route locker hochturne. 

Ein bisschen stolz bin ich da schon – aber vor allem selbst erstaunt darüber, wie gut ich mit der Kälte klar komme. 

Auch die erste Sanduhr im Eis klappt sofort, die zweite auch – und ein bisschen Schrauben setzen übe ich noch. Dann ist der wunderbare Tag im Eis auch leider schon zu Ende. Beeindruckt, begeistert, von der Kletterei, und von der Schönheit der Eisformationen. Wie aggressiv und fein zugleich die Eiszapfen und Formen dastehen und hängen. Die Fotos, alles nur Schnappschüsse des Tages, werden ganz von selbst minimalistisch, klar und rein wie das Eis: Ganz viel weiß, ein bisschen schwarz und wenig Farbe – mehr braucht es in den Bildern gar nicht.

Danke fürs Mitnehmen, fürs Anlernen, für die Tipps und das Vertrauen – und ja, jederzeit wieder, unbedingt. An meinem Gespür fürs Eis will ich unbedingt weiterarbeiten.

„Go where you feel most alive.“